Juli 2026
Prozessbeschreibung
Die Aktivierung von Leerständen ist ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Regionalentwicklung. Durch die Nutzung bestehender Gebäude können Ressourcen geschont, Bodenversiegelung reduziert und Ortskerne gestärkt werden. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für leistbaren Wohnraum und eine effizientere Nutzung vorhandener Infrastruktur.
Die KEM übernimmt dabei die koordinierende Rolle zwischen Gemeinden und regionalen Partnern. Der Prozess ist so aufgebaut, dass zunächst eine fundierte Datengrundlage geschaffen wird, auf deren Basis in den nächsten Jahren Maßnahmen zur Leerstandsaktivierung entwickelt werden können.
Ziel
Mit dem Leerstandsmanagement werden folgende Ziele verfolgt:
- Bis 2027: Erstellung einer Datenbank über alle leerstehenden Gebäude in jeder Gemeinde inklusive Analyse der Gebäude.
- Bis 2030: Verringerung des Leerstandes um 5 %, um Gebäudeleerstände wieder in Nutzung zu bringen.
- Bis 2030: Nachhaltige Nutzung leerstehender Gebäude und dadurch Schonung von Energie und Ressourcen, Reduzierung des Bedarfs an Neubauten und neuen Baulandflächen durch die Aktivierung bestehender Gebäude, Stärkung der Ortskerne durch die Nutzung von Leerständen und dadurch kompaktere Siedlungsstrukturen sowie kürzere Wege, sowie Reduzierung des Bodenverbrauchs und der Versiegelung.
Ausgangssituation
Leerstand im ländlichen Raum stellt viele Gemeinden vor große Herausforderungen. Während ältere Wohnhäuser und landwirtschaftliche Gebäude zunehmend leer stehen oder nur teilweise genutzt werden, entstehen gleichzeitig neue Wohngebäude am Ortsrand. Dies führt zu einem höheren Flächenverbrauch, einer Schwächung der Ortszentren und einer ineffizienten Nutzung bestehender Infrastruktur. Gleichzeitig fehlt es insbesondere jungen Erwachsenen und Jungfamilien häufig an leistbarem Wohnraum. Daher soll vorhandener Leerstand bzw. Teil-Leerstand – beispielsweise zweite Wohneinheiten in Bauernhäusern – wieder einer Nutzung zugeführt werden.
Prozessablauf
- Startworkshop (2025-2026) Gemeinsam mit Interkomm Waldviertel und der Wallenberger & Linhard Regionalberatung KG wurde und wird in jeder Gemeinde ein Workshop „Leerstand als Chance“ für Bürgermeister, Gemeinderät:innen und Wohnstandortbeauftragte, wo die spezifische Ausgangslage der jeweiligen Gemeinde analysiert wurde, durchgeführt.
- Interne Erhebung der Leerstände (ab 2025) Den zweiten Schritt bildet die flächendeckende Erhebung der (Teil-)Leerstände in allen Mitgliedsgemeinden. Ziel ist es, eine einheitliche und vollständige Datengrundlage für die spätere Befüllung der Leerstandsdatenbank zu schaffen.
Es wurde 2025 von der KEM gemeinsam mit den Gemeinden und Interkomm Waldviertel (Verein zur Förderung kommunaler Zusammenarbeit) ein standardisierter Erhebungsbogen (Checkliste) entwickelt. Dieser orientiert sich an den Anforderungen der KOMSIS-Leerstandsdatenbank und enthält alle Informationen, die für die spätere Dateneingabe erforderlich sind. Dadurch wird sichergestellt, dass sämtliche Gemeinden nach denselben Kriterien erfassen und die Daten vergleichbar sind.
Erfasst werden unter anderem:
- Lage und Art des Gebäudes
- Nutzungskategorie (z. B. Wohngebäude, Landwirtschaft, Gewerbe),
- Leerstandsart (Voll- oder Teilleerstand),
- Gebäudezustand (z. B. bewohnbar, sanierungsbedürftig, stark sanierungsbedürftig oder baufällig),
- Verfügbarkeit (Verkauf, Vermietung oder derzeit nicht verfügbar) sowie
- weitere für die KOMSIS-Datenbank relevante Informationen.
Die interne Erhebung erfolgt durch die Ortsvorsteher:innen, da diese ihre Ortschaften sehr gut kennen und bestehende Leerstände häufig bereits bekannt sind. Es werden in dieser Phase noch keine Hausbesitzer direkt angesprochen. Unterstützt werden die Ortsvorsteher:innen von den Gemeindeamtsmitarbeiter:innen, die auf vorhandene Daten und Informationen der Gemeinde zurückgreifen können. Die Kombination aus lokalem Wissen und den vorhandenen Gemeindedaten ermöglicht eine möglichst vollständige und qualitätsgesicherte Erfassung.
Die KEM übernimmt die Koordination des gesamten Prozesses. Sie stimmt den Ablauf mit den Gemeinden ab und steht während der Erhebungsphase als Ansprechstelle für fachliche Fragen zur Verfügung. Durch die einheitliche Vorgehensweise wird eine hohe Datenqualität sichergestellt und die Übernahme der Daten in die KOMSIS-Datenbank wesentlich erleichtert.
3. Erstellung und Befüllung der Leerstandsdatenbank (ab 2025)
Nach Abschluss der Erhebung werden sämtliche Leerstände in die bestehende Datenbank KOMSIS (Kommunales Standort Informationssystem) eingepflegt.
KOMSIS vereint Leerstandsdatenbank, Planungsinstrument und Immobilienportal in einer Plattform. Die Gemeinden nutzen das System bereits seit 2009, seit 2025 wird sie nun im Rahmen der KEM-Leerstandsinitiative gezielt zur Erfassung, Verwaltung und Aktivierung von Leerständen eingesetzt. Die Interkomm-Mitgliedsgemeinden leisten hierfür sowohl einen Mitgliedsbeitrag an den Verein Interkomm als auch einen Nutzungsbeitrag für die Plattform KOMSIS, deren Betrieb durch die Wallenberger & Linhard Regionalberatung KG erfolgt. Die Umsetzung erfolgt deshalb in Zusammenarbeit mit Interkomm Waldviertel und derWallenberger & Linhard Regionalberatung KG. Die KEM übernimmt die Koordination des Gesamtprozesses und unterstützt die Gemeinden bei der Dateneingabe und Klassifizierung. Im Jahr 2025 wurde für jene Gemeindemitarbeiter:innen, die für die Erfassung und Verwaltung der Daten in der KOMSIS-Datenbank verantwortlich sind, eine Online-Weiterbildung angeboten. Ziel der Schulung war es, die Teilnehmenden mit der Anwendung der Datenbank vertraut zu machen und eine einheitliche sowie qualitativ hochwertige Dateneingabe sicherzustellen.
4. Nachnutzungskonzepte (ab 2026): Auf Grundlage der erhobenen Daten werden anschließend Nachnutzungskonzepte entwickelt. Ziel ist es, Potenziale der einzelnen Leerstände aufzuzeigen und Perspektiven für eine zukünftige Nutzung zu schaffen.
5. Bewusstseinsbildung (laufend): Begleitend erfolgt eine Informations- und Bewusstseinsbildung in den Gemeinden. Dabei werden die Vorteile der Leerstandsaktivierung vermittelt und erfolgreiche Beispiele sichtbar gemacht.